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Betrachtung über Johann Joseph Fux: Abschluss des Patroziniums in St. Michael
Das letzte Gesätzchen des musikalischen Rosenkranzes und damit den Abschluss des ersten Teiles des Abends bildet das Ave Maria von Johann Joseph Fux. Seine Missa Canonica werden wir gleich im zweiten Teil des Programms hören.
Die Musik und der Stil von Johann Joseph Fux bilden damit den würdigen Abschluss unseres diesjährigen Patroziniums in St. Michael. Musikalisch haben wir uns in diesem Arbeitsjahr an Fux orientiert und pastoral-theologisch haben wir uns bei unserer Arbeit vom heiligen Erzengel Michael inspirieren lassen. Am Wochenende des 5. und 6. Juni 2010, es war UNESCO-Welterbe-Wochenende, war eine Delegation der Michaelerpfarre aus Wien in Hildesheim (Deutschland). Wir waren als Michaelerkirche zur Feier des 1000jährigen Bestehens der dortigen Michaeliskirche eingeladen. Wir haben den Delegierten über uns hier in Wien erzählt und ließen uns von den anderen europäischen Michaeliskirchen informieren und inspirieren. Die Teilnehmer waren froh, dass wir da waren. Michaeliskirchen verstehen sich untereinander: sie haben das gleiche Erbe, die gleichen „roots“ und die gleichen Aufgaben.
In der Predigt an unserem Patrozinium (26.9.2010), wo nach der Messe auch Flohmarkt war, habe ich den Gottesdienstbesuchern die Frage gestellt: Warum zieht die Michaelerkirche die Menschen an? Warum kommen sie immer wieder in dieses Gotteshaus? Drei Vermutungen habe ich aufgestellt mit der Bitte, uns weitere Vermutungen anzugeben. Die erste Vermutung hat mit dem Ort und dem Namen der Kirche zu tun. Die Erbauer wussten im 13. Jahrhundert um die Wichtigkeit und die Ausstrahlung dieser Kreuzung der Wege. Die Kirche soll den Namen des Erzengels Michael tragen. „Michael ist eigentlich keine biblische Person als Individuum, wohl aber eine Erscheinung, die Gottes Heilswirken darstellt. Er steht immer für einen anderen: Er ist der Platzhalter Gottes. Das bedeutet: er wirkt unabhängig von meiner Zustimmung oder Ablehnung“ (Michaeler Blätter, Nr. 16, August 2010, S. 2).
Die dritte Vermutung hat mit Gottesnähe und Menschennähe zu tun. Gottesnähe ist in Menschennähe zu finden. Menschennähe ist in Gottesnähe zu finden. Und was ist die dritte Vermutung? Ich zitiere jetzt:
„Ein Raum kommt erst zum Schwingen, wenn dort etwas geschieht, wenn dort gesungen, gebetet, musiziert wird. Das wussten nicht nur unsere Michaeler Vorzeige-Musiker wie Wolfgang Amadeus Mozart, dessen Requiem hier teilweise am 10. Dezember 1791 uraufgeführt wurde. Das hat auch Josef Haydn, unser Nachbar im Großen Michaelerhaus, gespürt. Voriges Jahr haben wir seinen 200. Todestag (1809) würdig gefeiert. Das erahnen auch unsere heutigen Musiker […].“
Die Renaissancemusik des heutigen Abends wird weiterhin die Herzen berühren und zum Beten inspirieren. Gottesvoll und erlebnisstark.
(red)
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