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Das Wort des Pfarrers
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P. Peter van Meijl SDS

Predigt Archiv

Predigt von P.Peter van Meijl beim ORF/ZDF- Weihnachtsgottesdient am 25.12.2014.

"Viele Male und auf Vielerlei Weise" → als pdf

Es ist die Überzeugung der eben gehörten zweiten Lesung, dass Gott nicht schläft, nicht schlummert, nicht uninteressiert zuschaut, sondern dass er spricht. Ein sprechender Gott, also. Gott hat in der langen Menschheitsgeschichte “viele Male und auf vielerlei Weise” zu uns Menschen gesprochen. Nicht ein Mal, oder ab und zu, oder hin und wieder, sondern „viele Male“. Nicht immer gleich, weil auch die Menschen nicht gleich sind. Sie mögen Abwechslung und möchten immer wieder, und immer anders, auf vielerlei Weise, angesprochen werden. Gott richtet am heutigen Weihnachtstag sein Wort, seine Botschaft auf dreifache Art an uns.


Erste Weise: die Propheten

Die erste Weise: Er spricht durch die Propheten. Der Meister aller Propheten, Jesaja, wurde soeben in der ersten Lesung als Freudenbote dargestellt. Seine Aufgabe ist es, Frieden anzu-kündigen, eine Frohe Botschaft zu bringen und Rettung zu verheißen (Jes. 52, 7). Diese Ret-tung besteht im Slogan: „Dein Gott ist König“. Gute Slogans lassen die Menschen aufhor-chen, lassen sie sogar wach werden, lassen sie fragen: Habe ich wohl richtig zugehört? „Dein Gott ist König“. Niemand anderer verdient es, König genannt zu werden, so der Kurzkom-mentar. Gott steht an der Spitze, er wohnt nicht in einem Graubereich oder am Rand. Dieser Gott möchte mitten unter den Menschen wohnen. Von der Spitze des Himmels in das Herz der Menschen. Wenn er kommt, dann sehen alle Menschen „das Heil unseres Gottes“ (Vers 10).


Zweite Weise: der Sohn

Auf eine zweite Weise spricht Gott durch seinen Sohn! Der namentlich nicht genannte Ver-fasser des Hebräerbriefes hat eine klare Katechese (vgl. Hebr. 1, 1-6). Er richtet sich in seiner Botschaft an eine gefährdete christliche Gemeinde. Die Bedrohung kommt nicht von außen, sondern von innen: eine bekannte Konstellation! Sie kommt aus der eigenen Nachlässigkeit und Müdigkeit. Auch damals wollten die ersten Christen lieber austreten als auftreten, lieber wegschauen als hinschauen. Der pastoral gesinnte Autor holt für seine Botschaft weit in der jüdischen Geschichte aus. Manche Historiker können das wunderbar! Sein Fazit formuliert er so: die menschliche Geschichte ist eine Geschichte Gottes mit den Menschen! Gott ist wie ein Bergbach: er findet immer hunderte von Wegen und Umwegen, um ins Tal zu gelangen, dort-hin, wo Mensch und Natur auf Nahrung warten. Der damalige Pastoralhistoriker ist der Über-zeugung: jetzt ist das Wasser ganz unten angelangt, es ist am Ende seines Laufes, der Bach wird zum Fluss. Anders formuliert: Gott hat in der Geschichte der Menschen so oft und so vielfältig und so deutlich gesprochen, dass nun etwas ganz Neues gekommen ist: Definitiv! Nicht „etwas“, sondern „jemand“. Sein eigener Sohn ist gekommen. Er hat die Tür geöffnet!

Dritte Weise: der Hymnus an das Wort

Dieser Sohn, dieser Jesus von Nazareth, hat einen besonderen Namen erhalten. So sieht es der Verfasser des soeben gehörten Evangeliums (Joh. 1, 1-5.9-14). Ein echter Theologe. Er fasst im Vorwort seiner Schrift, die wir als Johannes-Evangelium kennen, mächtig zusammen. Ein Prolog, wovon jeder Schriftsteller nur träumen kann, ein Präludium, wie sich das jeder Musi-ker vorstellt. In einigen Sätzen drückt er aus, was Gott in der Geschichte immer gewesen ist, nämlich ein sprechender Gott. Aber nun hat das "Wort" ein Gesicht, eine Farbe, eine Form, eine Stimme, eine Seele, einen Namen bekommen. Feierlicher und poetischer könnte das Vorwort des heutigen Evangeliums wohl nicht formuliert werden! „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ (Joh. 1,1). Das muss man sich erst einmal anhören, auf der Zunge zergehen lassen. Es könnte einem schwindelig werden oder man könnte Gänsehaut bekommen.
Zusammenfassung: Schwestern und Brüder im Herrn!

„Das Wort ist Mensch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh. 1, 14). Buchstäblich übersetzt: Jesus hat sein Zelt bei uns aufgeschlagen. Er hat uns die Tür geöffnet. Er hat also unter uns gewohnt. Er wohnt noch immer unter uns. Er ist immer da. Er wartet auf uns, wenn wir als Passanten vorbeikommen, stehen bleiben und in die Kirche hineingehen, in die Knie gehen und ihn anbeten: Viele Male und auf vielerlei Weise. Amen

(red)



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